Einerseits entsteht durch diese Gemeinschaft eine «Horizonterweiterung», und der Schüler sammelt Erfahrungen im multinationalen Zusammenleben. Der Klassenverband bildet eine einmalige Gelegenheit, sich mit anderen Religionen, Kulturen, Erziehungssystemen und anderen Sitten auseinanderzusetzen. Andererseits aber verlangt das Lernen in einer solchen
Gemeinschaft vom einzelnen Schüler Toleranz, Anpassungsvermögen, Geduld und Offenheit gegenüber anderen Ansichten und Lebensformen.
Unter Umständen weicht das Bildungsniveau einiger Mitschüler stark von schweizerischen Verhältnissen ab.
Es ist auch möglich, dass sich einige Schüler zuerst mit unserem Alphabet und unserer Schrift vertraut machen müssen und deshalb im schriftlichen Bereich am Anfang etwas Mühe haben.
A Der Anteil der Schweizer, die Fremdsprachen im Ausland lernen, ist im Vergleich zu anderen Nationalitäten überdurchschnittlich. Es lässt sich daher kaum vermeiden, dass Sie an guten Sprachschulen auf helvetische Mitschüler stossen, denn Fremdsprachen sind aus dem schweizerischen Bildungskonzept und dem Arbeitsmarkt nicht mehr wegzudenken. Der Trend, ins Ausland zu gehen, führt jährlich tausende von Schweizern an Sprachschulen in der ganzen Welt. Schweizer sind sehr qualitätsbewusst. Da sich die meisten Kursteilnehmer ausführlich und kritisch informieren, konzentriert sich die Nachfrage hauptsächlich auf qualitativ hochstehende Schulen – egal welche Preisklasse, sowie auf Weiterempfehlung. Es ist daher nicht erstaunlich, dass erstklassige Schulen bei uns sowohl in der Wirtschaft als auch im Bildungswesen und bei Privatpersonen recht gut bekannt sind und sich als Resultat einer jahrelangen und guten Zusammenarbeit auf eine grosse Weiterempfehlung abstützen können. Diese Schulen haben dann – und dies häufig schon seit vielen Jahren – ein Schweizer Stammpublikum (allerdings gibt es bezüglich dem «wie viel» recht grosse Unterschiede). Dabei spielen der Preis, der Bekanntheitsgrad der Schule und der Kursort eine wichtige Rolle.
B Schweizer haben oft ähnliche Vorkenntnisse (z.B. KV, Handelsschule, Matura) und gleiche Lernziele (z.B. Vorbereitung auf ein bestimmtes
Diplom). Das hat zur Folge, dass es auch an Schulen mit prozentual wenig Schweizer Studenten zu einer «Schweizerkonzentration» in bestimmten Klassen kommen kann.
C Wohl arbeiten einige Schulen mit Nationalitäten und Sprachkontingenten (d.h. dass nur eine bestimmte
Anzahl einer Sprach- oder Nationalitätengruppe akzeptiert wird), aber der Grossteil der Schulen nimmt die Anmeldungen so entgegen, wie sie eintreffen. Dabei kommt es nicht nur bezüglich der Schweizer zu «Nationalitätsballungen». Je nach Jahreszeit gibt es nämlich einige Hauptmärkte, die zahlenmässig dominieren, d.h. einige Länder mit besonders vielen Sprachschülern in einer bestimmten Jahreszeit. Es lässt sich deshalb kaum vermeiden, dass eine oder mehrere Nationalitäten dominieren – und wo es nicht Schweizer sind, da sind es zum Beispiel Asiaten, Italiener, Südamerikaner etc. Trotz der Bemühungen der Schulen um eine
ausgeglichene Nationalitätenzusammen-
setzung lässt sich die Dominanz einer oder mehrerer Sprach- oder Nationalitäten-
gruppen in der Praxis kaum vermeiden.
D Die Nationalitätenzusammensetzung hat in der Praxis nicht selten auch Auswirkungen auf den Unterricht, wobei z.B. eine ausgeprägte Präsenz der Schweizer durchaus nicht negativ auffällt – im Gegenteil. An Schulen mit einem Schweizer Stammpublikum haben die Lehrkräfte
Bei den meisten Schulen ist es uns möglich, zur Internationalität einige Angaben zu machen. Viele Schulen verfügen über eine Ganzjahresstatistik, das heisst, wir können Ihnen bei diesen Schulen sagen, wie viele unterschiedliche Nationalitäten im Laufe eines Jahres an der betreffenden Schule registriert worden sind. Selbstverständlich sind diese niemals alle gleichzeitig vorhanden. Wenn eine Schule also ca. 40 Nationalitäten hat pro Jahr, sind je nach Markt und Saison Schüler aus ca. 15-25 Nationen gleichzeitig an der Schule. Diese verteilen sich allerdings nicht gleichmässig auf alle Kurse und Niveaus. Wenn eine Schule im englischsprachigen Gebiet zum Beispiel einen Schweizeranteil von 15-25 % hat, heisst das in der Regel, dass in den untersten Niveaus (Anfänger, sehr elementar) nur sehr wenige Schweizer zu finden sind, in den mittleren und oberen Niveaus aber überproportional viele. Dies gilt besonders für die englischen und französischen Prüfungskurse. Auch wenn der Schweizeranteil an einer Schule gesamthaft relativ tief ist, findet sich in diesen Kursen praktisch immer eine Konzentration helvetischer Mitschüler. Es ist praktisch unmöglich, gute Prüfungskurse mit wenig Schweizern zu finden, da das Schweizer Publikum an den meisten Orten die höchsten Teilnehmerzahlen für diese Kurse stellt.

Wer also von einer internationalen
Gemeinschaft profitieren will, sollte sich anpassen können und mit viel Verständnis an die neue Situation herangehen.
Der Schweizer sucht in der Regel eine internationale Schule mit guter Qualität und wenig Schweizern. Lassen Sie uns an dieser Stelle zu diesem Thema einige Ausführungen machen, evtl.
einige Vorurteile und falsche Vorstellungen berichtigen.
Wer ins Ausland geht, um eine Fremdsprache zu lernen, möchte in seiner Klasse häufig nicht auf zu viele helvetische Mitschüler treffen. Diesen Wunsch können wir verstehen, allerdings sollten Sie in der Praxis Folgendes beachten:
einschlägige Erfahrungen im Unterricht helvetischer Schüler und kennen deren Stärken und Schwächen. Sie haben somit die Möglichkeit, gezielt auf diese Schülergruppe einzugehen. Diese Tatsache wirkt sich meistens positiv auf das Lerntempo aus, was unter anderem auch bei Prüfungsklassen mit hohem Schweizeranteil zu beobachten ist. Aber auch in den tieferen Niveaus kann eine gewisse Präsenz der Schweizer kaum schaden, fällt den Helvetiern den Einstieg in die englische Sprache doch bedeutend leichter als z.B. den Schülern aus dem Fernen Osten. Diese müssen sich zusätzlich zur Sprache auch noch an ein neues Alphabet und an eine unbekannte Kultur gewöhnen und haben deshalb anfänglich mehr Mühe mit dem Spracheinstieg und dem Lerntempo.
E Probleme (für Schweizer Schüler) gibt es erfahrungsgemäss dann, wenn Massierungen von Nationalitäten – speziell solcher mit total anderer
Vorbildung und Kultur auftreten, und wo sich durch diese Konzentration Verschiebungen im Klassengefüge ergeben. In diesem Fall kann sich eine «zu internationale» Klasse negativ auf den Lernfortschritt auswirken. Dieser Hinweis ist wichtig für all jene Schweizer, die «a priori» eine Schule mit wenig Schweizern suchen. Wer das zum Beispiel in Australien und Neuseeland tut, der «landet» mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer Schule mit 90% asiatischen Mitschülern. Nur Idealisten glauben, dass dies besser sei als eine Schule mit vielen Schweizern. Die Erfahrung lehrt uns ganz klar, dass teilweise genau jene Schüler, die eine besonders internationale Schule suchen, an Ort und Stelle Mühe mit der Situation bekommen.
F Die Tatsache, dass man zwischen den einzelnen Unterrichtsstunden Deutsch spricht, wird nach unserer Erfahrung masslos überbewertet. Im Unterricht wird ausschliesslich in der Fremdsprache gesprochen, und wer regelmässig die vielfältigen Möglichkeiten zur Kommunikation wahrnimmt und seine Freizeit nicht ausschliesslich in einer deutschsprachigen Runde verbringt, hat mehr als genügend Möglichkeiten zum Praktizieren der entsprechenden Fremdsprache. Zudem ist es bei weitem nicht so, dass alle Schweizer in den Pausen deutsch sprechen. Viele Schweizer staunen immer wieder, wie viele Schweizer Mitschüler konsequent auf das Schweizerdeutsch verzichten. Vor allem Schüler mit mittleren und fortgeschrittenen Kenntnissen sprechen häufig prinzipiell kein Deutsch.
Bei unserer Schulwahl haben wir auch die Nationalitätsfrage berücksichtigt. Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen, eine Schule in erster Linie nach qualitativen Merkmalen auszusuchen und nicht nach dem Schweizeranteil. Da sich die Nationalitätenzusammensetzung immer wieder verändert, verzichten wir in unserem Katalog auf detaillierte Angaben und begnügen uns mit allgemeinen Hinweisen.



